Die Integration von Migranten ist bei PariSozial seit 2008 eine Querschnittsaufgabe.
Insbesondere für die Stadt Ahlen aber auch für andere Städte im Kreis ist es wichtig, Menschen mit Migrationshintergrund mehr in die Mitte der Gesellschaft zu holen. Das bedeutet, diese Gruppe an Bildung, an soziale und gesundheitliche Dienste heranzuführen, die sie bisher noch nicht genügend nutzen.
In allen öffentlichen Verwaltungen und Verbänden wie z. B. in der Volkshochschule, in der Familienbildungsstätte, in Vereinen, Wohlfahrtsverbänden, Parteien, Banken, des Arbeitsamtes müssen mehr Migranten beschäftigt werden, damit das Vertrauen wachsen kann.
PariSozial hat die MitarbeiterInnenzahl in den letzten Jahren von 3 % auf 20 % erhöht - das sind 30 neue MitarbeiterInnen. Damit wollen wir ein Vorbild sein und Integration leben.
Menschen mit Migrationshintergrund müssen neben der Möglichkeit teilzunehmen mehr für Engagement zum Wohl der Gemeinschaft in gesellschaftlichen Organisationen aus dem Bereich Soziales und Kultur angesprochen werden.
Deshalb setzt PariSozial auf die Elemente
Begegnung ermöglichen
Vertrauen schaffen
Engagement fördern
denn nur wenn freiwillig zusammen gearbeitet, gelernt, gefeiert und gespielt wird, wird man zu einer Stadt.
Eine beispielhafte Aktivität der letzten Zeit sind die Veranstaltungen "Ahlen zeigt Flagge", "Hand in Hand" in Beckum und verschiedene Projekte, die Sie nachfolgend beschrieben finden.
Konkrete Projekte vereinbart
Besuch in Istanbul soll der Zusammenarbeit und der Integration dienen
In der letzten Woche vor Weihnachten waren der Geschäftsführer der PariSozial Kreis Warendorf, Dietmar Zöller, sowie die Mitarbeiter Hatice Yesilyaprak und Serhat Ulusoy in Istanbul, um sich über Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Istanbuler Sozialeinrichtungen und der sozialen Dienste der PariSozial zu informieren. Unter der Leitung von Hatice Yesilyaprak waren schon im September
30 Frauen zu Besuch in verschiedenen Einrichtungen für Frauen und Familien in Istanbul.
Serhat Ulusoy und Ahmet Salincakli hatte die Kontakte für die PariSozial-Delegation vereinbart.
„Wir sind nach Istanbul gereist, um zu sehen, ob wir insbesondere für unsere Arbeit mit türkischen Migranten etwas lernen können, wie wir Leute ansprechen und was wir für die Integration tun können“, gibt Zöller als Ziel der Reise an.
Zunächst fand eine Besprechung mit der Stadtverwaltung von Bakirköy statt. Der stellvertretende Bürgermeister stellte die Camps für behinderte Menschen und ihre Angehörigen vor, wo zwischen Mai und September 4.000 Besucher in einem Erholungscamp 1 Woche lang kostenlos Urlaub machen konnten und Rehabilitations- und Freizeitangebote erhielten.
PariSozial bietet ja in Ahlen mit dem Sprachcamp für Kinder und den Ferienspielen für behinderte Kinder zur Entlastung der Eltern ähnliche Angebote an.
Die in Istanbul aufgebaute Bibliothek für blinde und sehbehinderte Menschen mit 160.000 Büchern, Zeitungen etc. könnte auch von blinden Menschen in Ahlen, im Kreis Warendorf und in Hamm genutzt werden.
Ebenso wurde über die Idee, eine gemeinsame Hotline zur Beratung behinderter Menschen einzurichten, gesprochen, um von Deutschland in der Türkei Rat gesucht und aus der Türkei bei PariSozial Hilfe gesucht werden könnte.
Dietmar Zöller lud Vertreter zu einem Gegenbesuch nach Ahlen ein.
Am nächsten Tag ging es zu einem Gespräch mit Prof. Faruk Sen, der 25 Jahre in Essen das Institut für Türkeistudien geleitet hat und jetzt in der Türkei mit Unterstützung der Bundesregierung eine internationale Universität aufbaut.
Als erstes gemeinsames Projekt wurde über ein Gutachten des bekannten Wissenschaftlers gesprochen, das diese Möglichkeit der Verbesserung von Zugängen zum Arbeitsmarkt für Migranten in der Region Warendorf/Hamm prüft.
Mit Vereinen der Migranten, der Stadtverwaltung, Arbeitsagenturen, Handwerks- und Industrieverbänden könnten die Chancen besprochen werden, wie insbesonders hochqualifizierte türkischstämmige Menschen durch einen Praktikumsaustausch mit der Türkei bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland oder der Türkei bekommen können.
Mit der Einrichtung Ilkyaz Özel Egitim Rehabilitasyon Merkezi für die Förderung behinderter Kinder, die ähnlich organisiert ist wie die PariSozial, sprachen die Ahlener über Fortbildungsunterstützung aus Ahlen für Istanbul in den Bereichen Behindertenpädagogik und Logopädie oder auch Beratungsarbeit.
Ganz konkret sollen Videofilme der PariSozial über Erkrankungen wie Schlaganfall, Depression, Diabetes auch in der Türkei genutzt werden.
In diesem Projekt in Ahlen erzählen von einer Krankheit betroffene Menschen auf Türkisch, was ihnen bei einer Depression oder Schlaganfall geholfen hat. Ärzte erklären die Erkrankung und so soll deutlich werden, dass der Besuch einer Selbsthilfegruppe - also wo Menschen über ihre Erkrankung sprechen und sich gegenseitig Tipps geben - helfen kann.
Auch gegenüber der Leiterin dieser Einrichtung, Frau Yeliz Boynukisa, sprach Zöller eine Einladung nach Deutschland aus.
Mit der türkischen Fernsehgesellschaft „Purple Productions“ wurde über die Präsentation von Videofilmen oder über Dokumentationen zu „Methoden der Hilfen“ in Istanbul und in Ahlen diskutiert.
Zu sehen, wie unterschiedlich oder auch wie ähnlich hier und dort Hilfen organisiert werden, kann doch die Augen öffnen und Menschen motivieren, sich bei Erkrankungen und Problemen an PariSozial zu wenden.
„Wenn wir sehen, wie in Istanbul Probleme angegangen werden, wie die Einrichtungen dort auf Menschen zugehen, dann können wir auch hier etwas davon lernen“, erklärten Ulusoy und Yesilyaprak.
Ein konkretes Beispiel dafür könnte ein Projekt sein: „Ahlen und Istanbul lesen“. Im Stadtteil Beyoglu hängen überall Plakate einer Kampagne aus mit dem Titel: „Istanbul liest“. Es wäre doch eine gute Sache, wenn wir in Istanbul und Ahlen das gleiche Buch lesen und wir über Videofilme über die Fortschritte oder Erfahrungen, die Kinder dabei machen, informieren könnten.
Das gleiche gilt für ein Projekt: „Istanbul musiziert und spielt Theater“ oder Stadtrundfahrten zur Identifikation mit ihren Stadtteilen oder ihrer Region. Kinder und Jugendliche lernen sich besser kennen, zuerst über Videobotschaften und nachher über einen Austausch.
Das muss doch auch Eltern und Vereine hier in Ahlen motivieren; denn wenn Istanbul sagt, unsere Kinder sollten mehr in ihrer Freizeit lesen, dann sollten wir das doch hier auch übernehmen.
Diese konkreten Projektideen wollen die Partner in den nächsten Monaten ausarbeiten und umsetzen.
Mit großer Freundlichkeit und mit Stolz präsentierten Einrichtungen in Istanbul, was sie für Kinder und Behinderte - ganz neu für die Türkei - an sozialen Angeboten auf den Weg gebracht haben.
Auch auf die Fortbildung und Austauschangebote der PariSozial freuten sich die KollegInnen.
„In vielen Bereichen, so z. B. zu Erziehungsproblemen oder Gewalt in Familien, haben wir noch viel zu wenig Angebote“, haben die Ahlener überall gehört.
Aber in der Art und Weise, wie Angebote an den Mann (oder die Frau) gebracht werden, wie Eltern aufgefordert werden, etwas für ihre Kinder zu tun, da können wir in Deutschland sehr viel dazu lernen. „Bei Besuchen in Deutschland sollen die Istanbuler in Schulen und Moscheen über die Nutzen sozialer und erzieherischer Hilfen motivieren“, wünscht sich Zöller.
„Der Austausch soll ja für beide Seiten fruchtbar werden“, waren sich alle einig.
Die „Alte Gärtnerei“ will zukünftig mit dem Beckumer Integrationsrat in regelmäßigen Treffen Möglichkeiten der Verbesserung des Zugangs für Migranten zu sozialen Diensten absprechen und z. B. Informationsblätter in türkischer Sprache in den Migranten-Treffpunkten anbieten und verteilen. Geplant ist u. a. ein Elterntraining für Migranten.
Mit dem Ahlener Integrationsrat und den 10 MitarbeiterInnen der PariSozial aus der betrieblichen AG zur Integration gab es eine gemeinsame Sitzung, um sich zukünftig gegenseitig zu unterstützen bzw. gemeinsame Ziele zu verfolgen. So arbeitet der
Ahlener Integrationsratsvorsitzende Ugor Dogan mit und für PariSozial in gemeinsamen Projekten mit Migrantenorganisationen, wo es um die Umsetzung dieser Projekte geht. So werden Migrantenorganisationen aktiv in die Engagementförderung mit einbezogen.
Projekte möchten wir mit vielen Migrantenorganisationen und Partnern wie Schulen, Sportvereinen und Firmen in Gang setzen, um so die Zusammenarbeit und die Gemeinsamkeit zwischen Deutschen und Migranten zu verbessern.
In diesem Rahmen sind in den letzten 2 ½ Jahren 24 versicherungspflichtige Arbeitsplätze in unterschiedlichen Bereichen geschaffen worden. Dazu kommen 10 – 12 regelmäßig auf Honorarbasis tätige Mitarbeiter, 1 Auszubildender und viele Ehrenamtliche oder gelegentlich tätige Menschen mit Migrationshintergrund.
Nach dem ersten Sprachcamp 2008 in Ahlen, wo 25 Kinder und auf dem sog. Bergfest 80 Eltern und Verwandte erreicht wurden und zur Abschlussveranstaltung noch einmal 60 Eltern, waren in 2009 38 Kinder dabei.
Natürlich wird das Sprachkamp in 2012 wieder angeboten.
Informationen zum diesjährigen Sprachcamp.
Regelmäßig findet in der Ludgeri Schule ein Frühstückstreff von deutschen Eltern und Eltern mit Migrationshintergrund statt, der von der OGS-Leitung der PariSozial initiiert worden ist.
Mehr dazu finden Sie hier ...
Migranteneltern oder Angehörige, sollen sich im Bereich der Offenen Ganztagsschulen engagieren, z. B. durch Sport, handwerkliche, kreative oder sonstige praktische Angebote. Nach der ersten Phase sind bisher 8 engagierte Kräfte geworben worden, die (für 10 Euro in der Stunde) Angebote machen.
Aktiv für Ahlen - Interesse zeigen/Fragen stellen/Sich einbringen
Mehr Infos finden Sie hier ...
Kontakt:
Hatice Yesilyaprak
Zeppelinstr. 63
59229 Ahlen
Tel. 02382 7099-58
Fax 02382 7099-29
migration-hy@paritaetisches-zentrum.de